Premiere: Gaye Adegbalola (voc/USA)
Mit Gaye Adegbalola (Aussprache: Adeg·ba·lola) kommt nicht nur eine ausdrucksstarke Sängerin erstmals nach Berlin, sondern auch eine kreative Texterin und Komponistin. Gleich für ihren ersten Song "Middle Aged Boogie" (über ältere Frauen mit jüngeren Männern) bekam sie 1990 einen Handy-Blues-Award (der Oscar bzw. Grammy des Blues). Damals war Gaye eine der Mitbegründerinnen des akustischen Frauen-Trios "Saffire: The Uppity Blues Women", das bis 2009 insgesamt acht CDs aufnahm und erfolgreich rund um den Globus tourte.
Die meisten der witzigen, ironischen, sozialkritischen und/oder hintergründig-wortspielerischen Texte stammten von der afro-amerikanischen Gaye. Neben Problemen wegen der dunklen Hautfarbe macht Gaye auch selbstbewusste Aussagen wie in "Big Ovaries" und "Bitch with a Bad Attitude" (frau lässt sich nichts mehr gefallen!), besingt ungewöhnliche, aber lebensnahe Themen wie "Bald Headed Blues" (über ihre Krebserkrankung und Chemotherapie), über lügende Prediger, sexuelle Selbstbestimmung, Inzest und häusliche Gewalt, lesbische Frauen (schon 1928 ein Thema bei Ma Rainey), und im "Silver Beaver" übers Älterwerden - oft mit Humor und Augenzwinkern: Gaye Adegbalola überschritt vor einem Jahr das Rentenalter.
Die ehemalige Lehrerin für Naturwissenschaften spielt Gitarre und etwas Mundharmonika, bringt im Duo mit ihrem langjährigen Pianisten Roddy Barnes (beide kommen aus Virginia südlich von Washington DC) eine Menge "klassische Blues" der 1920er und 1930er Jahre bis zu neueren Songs von unbequemen Frauen wie Big Mama Thornton und Nina Simone.
Der Pianist Roddy Barnes ist der langjährige musikalische Partner von Gaye. Er lebte mehrere Jahre in New Orleans, wo er seine programmatische Solo-CD "Blues, Boogie and Soul" aufgenommen hat. Er wird seine Virtuosität als Blues- und Boogie-Woogie-Solist demonstrieren. Norbert Hess
Fr, 06.07.2012, 19:30